Brautpaar, welches im Boho Stil gekleidet ist.

 

Wild romantisch, elegant und natürlich – der Boho-Stil ist bei Hochzeiten so beliebt wie nie zuvor. Erfahren Sie jetzt, woher der Trend kommt, was ihn ausmacht und warum er für wirklich jede Art von Hochzeitsfeier in Frage kommt.

 

 

Gestatten, Boho

Icon: Hand, die filigrane Blume hält. BOHÈME IN DER KUNST

Der Begriff „Boho“ kommt von der als „Bohème“ bezeichneten künstlerischen Subkultur, zu der in verschiedenen Zeiten u.a. Rimbaud, Modigliani, Théophile Gaultier oder Herrmann Hesse und Charles Buckowski gezählt werden. Ähnlich der Avantgarde provoziert auch die Bohème das Establishment. Anders als die Avantgarde tut sie es jedoch nicht mit den Mitteln der Kunst, sondern mit ihrem Lebenswandel. Dieser wird von der bürgerlichen Gesellschaft stets als wild, verlottert, kurz: als rebellisch wahrgenommen. Man denke an das Moulin Rouge und den Montmartre am Ende des 19. Jahrhunderts sowie an das Berlin der 1920er Jahre – Cafés, Kabarett, Libertinage, ein buntes Treiben der Freigeister und Individualisten. Die Begriffe wie <i>Bohème</i> und <i>Bohèmien</i> selbst sind von der französischen Bezeichnung fürs "fahrende Volk" der aus Böhmen stammenden Roma abgeleitet und waren zunächst als deutliche Abwertung für den „vagabundierenden“ Lebensstil der Künstler gemeint. Erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts wandelte sich der Begriff der Bohème zum Positiven und wurde zusehends zum Markenzeichen für künstlerische und geistige Freiheit.

Icon: Hand vor SonneFREI VON ZWÄNGEN

Doch zum „Boho“-Stil wurde der Lebenswandel erst in der Form „Bohemian Homeless“ – damit bezeichneten Künstler echte wie fiktive Freigeister. Während man Mitte des 20. Jahrhunderts noch zu Menschen wie Winston Churchill „BoHo“ sagen konnte (weil sich der britische Premierminister bei Staatsbesuchen nicht immer an die Kleiderordnung hielt), wird der Begriff in der heutigen Schreibweise vor allem mit Celebrities wie Kate Moss oder Sienna Miller assoziiert. Deren betont lockerer, doch immer auch schicker Modestil ist wiederum von Ikonen der 1960er Jahre und der wilden Schönheit präraffaelitischer Musen inspiriert.

Icon: Hand, die Blätter hältHOCHZEITSSTIL: BOHO

Bei Hochzeiten steht der Boho-Stil von heute für die gelebte, doch auch durchaus bewusst inszenierte Freiheit: die Brautkleider sind lässig, doch elegant; die Frisuren gewollt wild; die Naturdeko üppig und auch das Partyzelt im Freien erinnert an die vergangenen Zeiten. Naturmaterialen – ja, aber gern hochwertig. Auch eine stilistische Hommage an die Blütezeit der Bohème um die Jahrhundertwende ist möglich, vom bestickten Satinschuh der Braut bis zum 20er- oder sogar 40-er-Jahre Anzug für den Bräutigam.

Lässige Eleganz, erlesene Natürlichkeit und Individuelles mit Erbstück-Charme oder gehobenem DIY-Charakter sind die wichtigsten Kennzeichen für eine Hochzeit im Boho-Stil. Ungewöhnliche Material- und Designlösungen verstärken den wild romantischen Effekt.

Das Boho-Brautkleid: Lässig und festlich

Wie bei jeder anderen Hochzeit, ist auch bei einer Hochzeit im Boho-Stil das Brautkleid eines der wichtigsten Elemente. Wie kann ein Boho-Brautkleid aussehen?

Typisch für ein Boho-Hochzeitskleid sind fließende Materialien und eher lange Röcke. Ob Kaftan Kleid oder schulterfreies Brautkleid, es ist natürlich und edel mit Seide und Spitze, manchmal auch mit Pailletten, die Farben sind meistens weiß oder natur. Netter Nebeneffekt: Boho ist definitiv für alle Körperformen geeignet und frau wird in fast jedem gut sortierten Fachgeschäft fündig. Eine festliche Boho-Robe muss nicht einmal teuer sein.

Zum Boho-Hochzeitskleid gehören passende Schuhe (außer natürlich, es ist eine Boho-Hippie-Hochzeit, denn individuell darf es ja auf jeden Fall werden). Weiße, silberne, cremefarbene Pumps oder Sandaletten sind gut – sie sollten nur nicht zu formell aussehen.

Eine beliebte Anlaufstelle für Boho-Kleider ist übrigens die Shoppingplattform Etsy, wo Designerinnen und Designer aus aller Welt ihre Kreationen anbieten.

Brautfrisur und Haar-Accessoires im Boho-Style

Als Brautfrisur sind eine Reihe von Optionen bei einer Boho-Hochzeit möglich, besonders beliebt sind aber natürlich wirkende, kunstvoll zerzauste Flechtfrisuren. Doch ob nun offen oder geflochten, noch stilgebender als die Frisur sind die Haar-Accessoires.

In Abgrenzung zum Hippiestil ist ein Blumenkranz im Haar eher nicht die erste Wahl, dafür aber sogenannte „Headpieces“ – wundervoller, oft handgemachter und recht prachtvoller Haarschmuck. Spitze, Perlen, Federn, Kristalle und Pailletten, von zierlichen, elfenartigen Perlenkämmen über zarte Satinschleifen mit Mini-Schleier bis hin zu Spitzenhaarbändern im 1920-er Look, hier ist der Ausdruck „die Qual der Wahl“ besonders treffend. 

Auch Hautschmuck ist immer wieder Thema beim Boho-Brautstyling: insbesondere kleine Abzieh-Tattoos mit Blütenranken und natürlichen Mustern, die es in weiß, schwarz, gold- und silberfarben gibt.

Das Make-Up bleibt allerdings zurückhaltend – insbesondere intensives Contouring, die Verwendung von auffälligen Kunstwimpern oder künstlichen Fingernägeln mit viel Nailart sind nicht Boho.

Boho Braut mit grobem Spitzenkleid und aufgeklebten Tattoos.

 

Brautstrauß Boho-Style

Locker gebunden, oft mit viel Grün und mit ungewöhnlichen Blüten und Materialien bestückt – der Boho-Blumenstrauß ist ganz häufig ein sehr üppiger und prachtvoller Rundstrauß. Wer es besonders individuell mag, wird nicht selten Sukkulenten, Federn, Perlen, Muschen oder saisonale Beeren und Früchte verwenden wollen. Auch farblich darf es hier exotisch werden.

Manchmal sieht man jedoch auch ganz federleichte Gegenentwürfe – bunte feine Wildblumen, zartes Schleierkraut, ungewöhnliches feines Geäst (ggf. künstliches und verziertes, aber immer hauchfein), luftigste Spitze. Auch solche Brautsträuße leben von der Abkehr von der „Norm“, von asymmetrischen Formen und ungewöhnlichen Farben. Das Brautpaar wird daher eher bei einem Floristenfachgeschäft fündig, das für seine ungewöhnlichen Sträuße bekannt ist.

Der Boho-Bräutigam

Was trägt aber typischerweise der Boho-Bräutigam? Eine Hochzeit im Boho-Stil verlangt eher nach hellen Farben. Der Bräutigam muss also nicht Schwarz tragen; Weiß, Grau, Beige, sogar die gesamte Palette von Pastelltönen stehen ihm zur Verfügung. Denn auch für ihn gilt die lässig-legere Ästhetik.

Gern greifen der Bräutigam, sein Trauzeuge und auch ganz oft die männlichen Gäste außerdem zu Vintage-inspirierten Accessoires wie Hosenträgern, Fliegen und Hüten.

Gute Locations für eine Boho-Hochzeit

Welche Locations eignen sich für eine Boho-Hochzeit? Eine Edelscheune, ein Privatstrand, ein Pavillon im Freien, eine privat angemietete Insel oder ein alter Obstgarten – gerade bei der Auswahl der Location sollte es nicht nur natürlich, sondern auch elegant zugehen.

Doch wer die Boho-Hochzeit für eine typische Frühjahrs- oder Sommerhochzeit hält, irrt: Ein Chalet in den Bergen, ein kuscheliges altes Landhaus am See können auch im Herbst und im Winter zu perfekten Boho-Locations werden.

Auch für freie Trauungen und Feste im kleinsten Familienkreis eignet sich der Boho-Stil übrigens ideal.

Frau auf Boot, gekleidet im Boho-Stil.

 

Boho-Deko und Torte

Kurz gesagt, ist alles möglich, was üppig und verträumt wirkt – nur genormt und einheitlich sollte es nicht sein. Das Boho-Farbkonzept verlangt nach viel Grün und saisonalen Naturtönen, die Gemütlichkeit und Romantik ausstrahlen.

Mit großzügig verteilten Lichterketten und Lampions entstehen im Waldstück oder im Obstgarten verträumte Wege für die Hochzeitsgesellschaft; Holzschaukeln, Traumfänger und schwebende Stoffbahnen verleihen dem Fest einen besonders romantischen Charakter. Bei pflanzlicher Deko kommen Blumentöpfe oder Pampasgras, frische Sukkulenten in Massen oder dekorative getrocknete Zweige in Frage. Zusätzliche Dekoration zielt meist auf gemütliches Beisammensein ab; es können Picknick-Decken mit vielen Kissen sein oder schöne Sitzecken. Eine besondere Erwähnung sollte noch die Präsentation der Trauringe in personalisierten Porzellan- oder Holzschalen finden.

Auch zur Boho-Hochzeit gehört natürlich eine festliche Hochzeitstorte. In letzter Zeit sind vor allem sogenannte „Naked Cakes“ im Zusammenhang mit Boho- und rustikalen Stilen beliebt geworden – damit gemeint sind Kuchen ohne Glasur. Muster aus Puderzucker, großzügige Blüten- und Beerendekorationen sind bei der Boho-Hochzeitstorte aber ausdrücklich gewollt.

Boho, so trendy wie individuell

Boho-Hochzeit: Ob im kleinsten Kreis oder als Riesenparty, im Sommer oder im Winter, im Garten oder am Wasser – dieser Hochzeitsstil bietet sich für wirklich sehr viele Brautpaare an. Die gefeierte Unperfektion lässt viel Freiraum für eine sehr individuelle, ja herzliche Gestaltung zu, während die natürlich-edle Ästhetik den festlichen Charakter auf eine ganz besonders moderne Art hervorhebt.